Festgefahren. Immer die gleichen Abläufe und ständige Jammerei, ohne wirklich etwas zu erreichen. Kein Ausweg und keine Veränderung in Sicht? In diesem Beitrag geht es mir darum zu zeigen, was wir als Führungskräfte tun können, um unsere Teams und auch uns selbst aus unbefriedigenden, belastenden Situationen heraus zu führen und unsere ungenutzten Potenziale erschließen.
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Verharren im Hamsterrad
„Wachstum geschieht nur außerhalb der Komfortzone.“ Ein Satz, den jeder schon einmal gehört hat. M.E. aber irreführend und wenig hilfreich ist. Komfortzone impliziert, dass ich mich hier wohl fühle. Warum soll ich diese also verlassen wollen und wer sagt denn, das Wachstum nur außerhalb der Wohlfühlzone geschieht? Lernen und wachsen ist an sich ein äußerst natürlicher Prozess und für mich sehr eng mit einem erfüllenden, wohligen und sehr lebendigen Gefühl verbunden. Leben ist Wachstum.
Wir alle verbinden allerdings seit unserer Kindheit Lernen mit Schule. Stundenlanges verharren in Klassenräumen zu Themen die uns nicht wirklich interessieren und wir auch keine Vorstellung haben, warum wir das lernen sollen. Stattdessen immer die Angst vor der nächsten Klassenarbeit im Nacken. Verhauen wir diese Leistungsprüfung, gibt’s wieder Ärger mit den Eltern, der Familie oder der Gesellschaft. Im Grunde ein System, um junge Menschen gefügig zu machen. Und das nennen wir dann Pädagogik oder besser noch Erziehung.
Das fatale ist allerdings, das wir ebenfalls gelernt haben in unbefriedigenden Situationen zu verharren. Wir folgen immer wieder den gleichen Mustern, selbst wenn wir merken, dass etwas nicht stimmt. Der Begriff „Hamsterrad“ erscheint mir hier deutlich treffender. Allerdings hingt auch dieser Vergleich, da jeder Hamster das Rad eigenständig verlässt, wenn er genug ausgepowert ist. Nur wir Menschen tun das selten, aus Angst vor dem unbekannten oder der Bequemlichkeit sich gedanklich mit den Themen beschäftigen zu müssen. Statt dessen suchen wir die Schuld für unsere Situation bei anderen, beim Chef, bei unseren Eltern oder der Regierung. Eben bei „denen da Oben“. Hierdurch entbinden wir uns selber von der Pflicht aktiv zu werden. Wir beruhigen unser Gewissen und gehen damit unbewusst in eine Opferrolle. Streng genommen wählen wir damit selber unser „Leiden“.

„Ja klar, was schreibt der denn da für einen Quatsch? Ich bin doch kein freiwilliges Opfer, aber gegen die da Oben bin ich doch machtlos, ich kann doch nichts tun.“ Doch! Jeder Mensch hat drei Möglichkeiten, die er frei wählen kann: love it, change it or leave it. Mehr dazu hier.
In diesem Artikel soll es darum gehen, was wir als Führungskräfte tun können, um aus solchen „Hamsterrädern“ heraus zu führen.
Visionen
„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
Antoine de Saint-Exupéry
Auch diesen Spruch hat bestimmt jeder schon einmal gelesen oder gehört. Und sofort geht das Gedankenkarussell los: „Ja aber, … wie soll das denn gehen? Wenn ich den Menschen nicht sage, was sie wie tun sollen und das ganze kontrolliere, dann passiert hier gar nichts.“ Auch das ist eine typische Management-Rutine, die dazu beiträgt, im Hamsterrad, nämlich dem des Managements, zu verharren.
Gehen wir einmal davon aus, dass die momentane Situation der Firma verbessert werden muss (ist das so? Und wenn ja, warum?). Gehen wir weiter davon aus, dass die Führungskräfte und Mitarbeiter das ebenfalls implizit spüren (wenn nicht, warum eigentlich nicht?). Dann ist es die Aufgabe der Führungskräfte, aus dieser Situation heraus in die Zukunft zu führen. Kommen wir zurück zum Hamsterrad. Viele Menschen sind in ihren eigenen, erlernten Denkstrukturen gefangen (s.o.). Es fehlt die Motivation. Bequemlichkeit, Angst oder schlichtweg Unwissenheit verhindert weiteres persönliches Wachstum. Verändern kann kein Manager alleine. Er braucht die Unterstützung von anderen Menschen. Im besten Fall von allen. Und genau hier setzt die Vision, der Traum ein. „Blühende Landschaften …“ oder „I had a dream. One day this nation will rise up. …“.

Eine Vision ist ein emotional aufgeladenes Bild der Zukunft, in dem sich die angesprochenen Menschen persönlich wiederfinden können. Jeder kann sich konkret ausmahlen, wie es sein wird dort zu leben und zu arbeiten. Im Vergleich mit der momentanen Situation muss dieser Traum so reizvoll sein, dass jeder dorthin möchte und bereit ist sich persönlich dafür ein zu setzen. Das bedeutet noch nicht, das jeder auch den Weg findet aus dem Hamsterrad zu kommen. Hier setzt dann Planung, Förderung und Führung ein. Aber das Ziel und der Wunsch dies zu erreichen muss klar sein.
Leider taugen viele Unternehmensvisionen nicht wirklich, eine Veränderung herbei zu führen. Sie sind emotional nicht aufgeladen. Es fehlt der persönliche Anknüpfpunkt, die Sehnsucht und wir reden hier nicht von Geld. Wir reden von Zugehörigkeit, von Identität und Stolz, von Vertrauen, Respekt und Loyalität. Letztendlich von Freude und Glück. Hat das was mit Arbeit und Geschäft zu tun? – Ja! Genau das macht den Unterschied aus. Genau das fördert Wachstum und Veränderung.
Führung
Leadership bedeutet Hoffnung und Zuversicht geben. Leadership bedeutet fördern und fordern von Menschen. Führung bedeutet Menschen die Hand zu reichen um aus den Hamsterrädern heraus wieder in (inneres) Wachstum zu kommen. Raus an die frische Luft, durchatmen, die Sonne auf der Haut spüren, lachen und leben. Führung bedeutet Freude am Fortschritt zu bekommen und gemeinsam Erfolge zu feiern. Lob und Anerkennung für den persönlichen Weg und den Beitrag zum gemeinsamen Ziel. Führung bedeutet aber auch, auffangen und stützen, bedeutet Sicherheit und Vertrauen geben in dunklen Momenten.
Lassen Sie den obigen Absatz mal auf sich wirken, ohne ihn in Gedanken zu zerlegen. Spüren sie die Freude, die Sehnsucht? Das meint emotional aufladen. Übrigens arbeiten alle erfolgreichen Spitzensportler so. Sie haben eine Vision, einen Traum, den sie verwirklichen wollen. Diesen Traum visualisieren sie immer wieder. Sie stellen sich vor wie sie z.B. Weltmeister werden. Wie sie zur Nationalhymne auf das Siegertreppchen steigen, wie sie den Pokal in Händen halten und das gesamte Stadion applaudiert. Hierfür gibt es tatsächlich „Mental – Coaches“, deren Aufgabe es ist die Athleten genau in diesen Zustand der Sehnsucht zu versetzen.
Vision und wohlwollender Begleitung sind eins. Wir können nicht auf der einen Seite Vertrauen und Mut propagieren und im täglichen Umgang genau das Gegenteil durch ständige Kontrolle und Misstrauen praktizieren. Integrität ist hier der Schlüssel. Wer etwas anderes macht als normal, wer sich bewegt und lernt, der macht Fehler.
„Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baut.“
T.Edison
Fehler sind nicht schlimm, wenn man daraus lernt. Sie bedeuten kein Scheitern, sie erhöhen die Kompetenz und die Erfahrung. Fehler sind normal und wertvoll. Wir aber haben gelernt, das Fehler schlecht sind und bestraft werden (s.o.). Das Gute an gelernten Verhaltensmustern ist, dass man sie neu lernen kann. Dies muss Schritt für Schritt erfolgen und ist ein wichtiger Teil des Changemanagements von Führungskräften.
Umgang mit Widerstände
Wie aber gehen wir nun mit Widerständen um? Es gibt genügend Menschen, die Veränderungen mit aktivem oder häufiger auch passivem Widerstand begegnen. Nun könnte man schnell zu dem Punkt kommen, solche Menschen zu entlassen bzw. abzustrafen. Das Problem hierbei, eine Belegschaft solidarisiert sich bei Veränderungen. Straft man nun einen „aus ihren Reihen“ ab, so beziehen die Anderen dies oft auf sich selber und reagieren mit Misstrauen und Angst. Hier ist eine zweigeteilte Strategie hilfreich: Zum einen starte ich die Veränderung mit den Menschen, die gewillt sind ihr Hamsterrad zu verlassen und fördere diese. Zum Anderen reiche ich aber den Widerständlern immer wieder die Hand und versuche heraus zu finden, wo die Barriere ist und versuche diese aufzulösen. Niemand blockiert aus bösem Willen.
Manchmal kann jemand eine Veränderung nicht mitgehen, wenn die eigene Identität oder die eigenen Werte, die eigene Überzeugung dagegen sprechen. Dann werden sich die Wege irgendwann trennen. Der Respekt vor Menschen, die eine solche Entscheidung treffen, darf aber niemals verloren gehen. Das bedeutet immer eine einvernehmliche Trennung.
Resümee

Das Verharren in unbefriedigenden Verhaltensmustern und Situationen ist erlernt und keinesfalls natürlich. Leben bedeutet Wachstum und ständige Veränderung. Lernen und Wachstum lässt sich durch emotional aufgeladenen Zielbilder lenken und fördern. Die Aufgabe einer Führungskraft ist es genau dies zu tun: Hoffnung geben und den Menschen aus den Hamsterrädern helfen.
Ausblick
Natürlich ist dies nicht einfach. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass viele Führungskräfte ebenfalls nur unzureichend geführt werden. Hierzu siehe „Führungskultur“.
Wie man nun eine emotionale Vision entwickeln und kommuniziert kann, siehe bald hier.